Orientierung im Bücherdschungel / November
Nov. 6th, 2017 08:22 pmDenis Scheck kommentiert die aktuelle Spiegel-Bestsellerliste Belletristik
( Platz 10 - Platz 4 )
Platz 3: Robert Menasse: "Die Hauptstadt"
Welche Idee liegt eigentlich der europäischen Einigung zugrunde? fragt der Österreicher Robert Menasse in seinem glühend pro-europäischen Roman. Vergangene Woche wurde "Die Hauptstadt" sehr zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und stürmt nun erwartungsgemäß die Bestsellerlisten. Running gag des Romans in des Wortes wörtlichster Bedeutung ist ein durch Brüssel laufendes Schwein – und die verzweifelten Versuche der PPE, der Pig Producers of Europe, zu einem Freihandelsabkommen mit China zu kommen, um den Chinesen die Schweineöhrchen, -schnauzen und -schwänzchen verkaufen zu können, die in Europa im Tierfutter landen, in China aber als Delikatesse gelten. So vergnüglich¬ und anregend wurde noch nie über die EU geschrieben, wie Menasse dies in seinem satirischen Bravourstück gelingt.
Platz 2: Daniel Kehlmann: "Tyll"
Und jetzt darf ich einen echten Triumph der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur anzeigen. Sprachtrunken, bildersatt und verzaubert habe ich den neuen Roman von Daniel Kehlmann zugeklappt: So ein Wunderbuch begegnet einem nicht jedes Jahr! Eindrücklich wie nie gelingt es Kehlmann, rund um den aus dem Spätmittelalter in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges verpflanzten Tyll Ulenspiegel einen Mummenschanz um Macht, Machtmissbrauch und den Hochseiltanz unserer Existenz zu inszenieren, der es in sich hat. Hinreißend!
Platz 1: Dan Brown: "Origin"
Als Atheist müsste ich die Religionskritik in Dan Browns neuem Thriller eigentlich begrüßen. Aber sie kommt in diesem Roman um einen in Bilbao ermordeten Super-Nerd und eine durch die beliebtesten Touristenattraktionen Spaniens führenden Schnitzeljagd so stumpf und primitiv daher, dass ich lieber zu Kreuze krieche. Anders ausgegedrückt: Je länger ich gezwungen bin, Dan Brown zu lesen, desto mehr bedauere ich den Tod von Michael Crichton.
( Platz 10 - Platz 4 )
Platz 3: Robert Menasse: "Die Hauptstadt"
Welche Idee liegt eigentlich der europäischen Einigung zugrunde? fragt der Österreicher Robert Menasse in seinem glühend pro-europäischen Roman. Vergangene Woche wurde "Die Hauptstadt" sehr zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und stürmt nun erwartungsgemäß die Bestsellerlisten. Running gag des Romans in des Wortes wörtlichster Bedeutung ist ein durch Brüssel laufendes Schwein – und die verzweifelten Versuche der PPE, der Pig Producers of Europe, zu einem Freihandelsabkommen mit China zu kommen, um den Chinesen die Schweineöhrchen, -schnauzen und -schwänzchen verkaufen zu können, die in Europa im Tierfutter landen, in China aber als Delikatesse gelten. So vergnüglich¬ und anregend wurde noch nie über die EU geschrieben, wie Menasse dies in seinem satirischen Bravourstück gelingt.
Platz 2: Daniel Kehlmann: "Tyll"
Und jetzt darf ich einen echten Triumph der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur anzeigen. Sprachtrunken, bildersatt und verzaubert habe ich den neuen Roman von Daniel Kehlmann zugeklappt: So ein Wunderbuch begegnet einem nicht jedes Jahr! Eindrücklich wie nie gelingt es Kehlmann, rund um den aus dem Spätmittelalter in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges verpflanzten Tyll Ulenspiegel einen Mummenschanz um Macht, Machtmissbrauch und den Hochseiltanz unserer Existenz zu inszenieren, der es in sich hat. Hinreißend!
Platz 1: Dan Brown: "Origin"
Als Atheist müsste ich die Religionskritik in Dan Browns neuem Thriller eigentlich begrüßen. Aber sie kommt in diesem Roman um einen in Bilbao ermordeten Super-Nerd und eine durch die beliebtesten Touristenattraktionen Spaniens führenden Schnitzeljagd so stumpf und primitiv daher, dass ich lieber zu Kreuze krieche. Anders ausgegedrückt: Je länger ich gezwungen bin, Dan Brown zu lesen, desto mehr bedauere ich den Tod von Michael Crichton.